In der von Dana von Suffrin geschriebenen und von Christiane Huber inszenierten Produktion zeigt sich München 1950 noch schwer gezeichnet von Krieg, Nachkriegswirren und wirtschaftlichen Entbehrungen. Philipp Auerbach, selbst jüdischer Holocaust-Überlebender, leitet nach dem Zweiten Weltkrieg das Bayerische Entschädigungsamt – eine zentrale Anlaufstelle für Tausende Überlebende, die Hilfe, Entschädigung oder eine neue Perspektive suchten. Auerbach führt das Amt unbürokratisch und engagiert. Doch sein Erfolg und seine Persönlichkeit rufen Widerstand hervor: 1951 gerät er ins Zentrum einer politischen Kampagne unter CSU-Justizminister Josef Müller. Er wird angeklagt, durch mediale antisemitische Hetze zunehmend isoliert und schließlich zu einer Haftstrafe verurteilt. Die dramatische Entwicklung seines Falles endet 1952 mit seinem Suizid.
Das eindringliche Hörspiel beleuchtet nicht nur eine bewegende Lebensgeschichte, sondern auch die schwierigen gesellschaftlichen Bedingungen der Nachkriegszeit und stellt grundsätzliche Fragen über Verantwortung, Täterschaft und die Rolle von Holocaustüberlebenden im gesellschaftlichen „Neubeginn“ nach dem Nationalsozialismus. Die Produktion verbindet historisches Geschehen mit lebendiger erzählerischer Gestaltung und starker Besetzung, inklusive André Jung und Brigitte Hobmeier.