Die Münchner Kammerspiele präsentieren mit Play Auerbach!, Fremd und Mephisto drei Inszenierungen, die sich intensiv mit Fragen der Identität, Verantwortung und gesellschaftlichen Positionierung auseinandersetzen.

Mit Play Auerbach! – Eine Münchner Erinnerungsrevue bringt Avishai Milstein die weitgehend vergessene Lebensgeschichte des jüdischen Unternehmers und bayerischen Staatskommissars Philipp Auerbach zurück auf die Bühne. Auerbach, der den Holocaust überlebte und nach 1945 in München von den Amerikanern zum „Staatskommissar für rassisch, politisch und religiös Verfolgte“ ernannt wurde, setzte sich mit großem Engagement für Überlebende ein und versuchte, jüdisches Leben in Deutschland wieder aufzubauen bis er durch einen politisch motivierten Prozess stigmatisiert, verurteilt und schließlich in den Suizid getrieben wurde. In einer ungewöhnlichen Form zwischen Revue, Theaterprobe und Zukunftsdystopie verhandelt das Stück mit bitterem Humor, Live-Musik und glitzernden Showelementen die Frage, wie Erinnerung und Erinnerungskultur heute funktionieren. In einer nahen Zukunft, in der jüdisches Leben in Deutschland fast verschwunden ist und Theater nur noch in der Erinnerung existieren, probt eine Antisemitismusbeauftragte eine „Auerbach-Gedenkrevue“. Diese gerät zunehmend aus den Fugen, weil der Darsteller sich dem vorgegebenen Script widersetzt und sich schließlich als Jude zu erkennen gibt. Play Auerbach! verknüpft scharfsinnig und virtuos Auerbachs persönliches Schicksal mit kollektiven Versäumnissen im Umgang mit deutscher Geschichte und stellt ritualisierte Formen der gängigen Erinnerungskultur infrage.

In Fremd, einem Soloabend basierend auf dem Text von Michel Friedman, verkörpert Katharina Bach die Erfahrungen und Reflexionen des Autors über sein Aufwachsen in Deutschland. Die Inszenierung von Katrin Lindner zeichnet sich durch eine minimalistische Bühnenästhetik aus: Ein schmaler Steg vor geschlossenem Vorhang symbolisiert die Enge und Isolation, die Friedman beschreibt. Der Einsatz von Licht und Raum verstärkt das Gefühl der Ausgrenzung und macht die inneren Konflikte des Protagonisten für das Publikum unmittelbar erfahrbar. Diese konzentrierte Darstellung lenkt den Fokus ganz auf den Text und die eindringliche Performance der Schauspielerin.

Mephisto, inszeniert von Jette Steckel, adaptiert Klaus Manns Roman über den Schauspieler Hendrik Höfgen, der im nationalsozialistischen Deutschland Karriere macht. Die Inszenierung nutzt starke visuelle Symbole, wie etwa eine Maske mit hakenkreuzförmigen Augenbrauen, um die moralische Ambivalenz und den Opportunismus der Hauptfigur zu unterstreichen. Das Bühnenbild von Florian Lösche und die live gespielte Musik von Elias Krischke schaffen eine Atmosphäre, die die innere Zerrissenheit und die äußere Anpassung des Protagonisten reflektiert. Diese moderne Umsetzung betont die zeitlose Relevanz der Thematik und regt zur Auseinandersetzung mit der Verantwortung des Einzelnen in autoritären Systemen an.

Alle Produktionen demonstrieren eindrucksvoll, wie Theater im digitalen Zeitalter durch konzentrierte Inszenierungen und starke schauspielerische Leistungen gesellschaftlich relevante Themen aufgreifen und zur Diskussion stellen kann.

zur Website → www.muenchner-kammerspiele.de